© DiesbachMedien | Ausgabe: Weinheimer Nachrichten | Hemsbach / Laudenbach | 01.12.2018 | Seite 13

Bürgerhilfe: Vortrag „Mit Diabetes durch den Alltag“ trifft auf viel Interesse / Zehn Prozent aller Deutschen sind betroffen – Tendenz steigend

LAUDENBACH. „Diabetes heißt nicht Verzicht, Diabetes kann auch Genuss sein“ – so sprach Dr. Jens Braun aus der Diabetes-Schwerpunktpraxis in Heppenheim und überließ es seiner Mitarbeiterin Sabine Thuy, seinen tröstenden Worten auf den Grund zu gehen. Thuy ist Diabetesberaterin, sei also für das anstehende Thema „Mit Diabetes durch den Alltag“ die Idealbesetzung, freute sich Günter Wernz, AWO-Schriftführer und Leiter der Bürgerhilfe Laudenbach. Er begrüßte die Ernährungswissenschaftlerin vor zahlreichen Besuchern, unter ihnen auch AWO-Chef Hans-Jürgen Moser und Gemeinderätin Angelika Nickel.

Mit Schwerpunktthemen zur Blutzuckerselbstkontrolle, Ernährung, Bewegung und Stressabbau machte Thuy Mut, „mit der Krankheit zu leben, nicht gegen sie“. Diabetes sei als Zivilisationskrankheit eine chronische Stoffwechselstörung mit Überzuckerung des Blutes, ausgelöst durch Insulinresistenz oder Insulinmangel. Zehn Prozent aller Deutschen seien von der Krankheit betroffen, weltweit seien es rund 400 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Diabetes erhöhe das Risiko von Herz- und Gefäßerkrankungen und könne damit die Lebenserwartung verkürzen. Auch für gesunde Menschen Grund genug, aktiv zu werden.

Als ersten Schritt empfahl Thuy, mit „FindRisk“, einem einfachen Fragebogen der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS), das persönliche Risiko zu ergründen. Wichtigste Maßnahme einer möglichen Therapie sei sodann die regelmäßige Selbstkontrolle, weil sie es ermögliche, bei der Behandlung selbstverantwortlich mitzuwirken. Das schaffe Sicherheit im Alltag und höhere Lebensqualität, die wesentlich durch richtige Ernährung zu erreichen sei. Unsere „westlich geprägte“ Ernährung vorwiegend mit Zucker, Fetten und Kohlenhydraten sei jedenfalls nicht zielführend. Sie störe die Darmbarriere, die den Weg schädlicher Stoffe in die Blutbahn verhindere. Die Folge: Man nimmt mehr Nahrung auf, schafft damit mehr Energie, was zu Gewichtszunahme und letztlich zu Fettleibigkeit führt.

Thuys Abhilfevorschlag, der auch für Gesunde gilt: Täglich sechs Gläser Wasser, drei Portionen Gemüse und Obst, vier Portionen Kohlenhydrate, wenige Milchprodukte, sparsame Fettmengen und noch weniger süße Extras, alles getreu der Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wobei unter „Portion“ stets jene Menge zu verstehen sei, die in eine Hand passt.

Wichtig sei es, auf die Qualität der Lebensmittel zu achten, wie sie verarbeitet sind, in welchen Kombinationen man sie zu sich nehme und natürlich in welcher Menge. Was letzten Endes für alle Menschen gelte, denn „eine ausgesprochene Diabetes-Diät gibt es nicht“. Ein sehr empfehlenswerter Tipp seien aber ein- bis dreiwöchentlich „Hafertage“, denn Hafer durchbreche nachweislich die Insulinresistenz. Doch Thuy räumte auch ein, dass wirklich schlüssige wissenschaftlicher Erkenntnisse zur gesunden Ernährung bis heute fehlten. Nachweislich hilfreich sei es dagegen (auch) für den Diabetiker, Stress abzubauen, sagte Thuy unter dem Stichwort des Zusammenspiels von Darm und Hirn, von Schlaf und Apnoe. Gegen Stress helfe zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Akupunktur und ein entspannter Schlaf. Besonders hilfreich sei in jedem Fall regelmäßige Bewegung, gleich welcher Art, Hauptsache mindestens fünfmal wöchentlich jeweils mindestens eine halbe Stunde. Als Beispiel nannte Thuy Radfahren, Spazierengehen und Schwimmen – „Hauptsache, es macht Spaß“.

Die Annahme von AWO und Bürgerhilfe, das Thema Diabetes sei von allgemeinem Interesse, hat sich bestätigt. Denn von Sabine Thuys ausdrücklicher Erlaubnis, sie für Zwischenfragen zu unterbrechen, machten die Zuhörer reichlich Gebrauch. he

img 7871Bild: Günter Wernz

   
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